Wasserbilanz im Keller

Spezial, 20.07.2026

Wenn es um Dürre und Trockenheit geht, schauen alle auf den Regen. Doch den eigentlichen Schlüsselwert liefert das Piche-Evaporimeter, indem es das Zusammenspiel aus Wind, Wärme und Luftfeuchte misst

Wer die Trockenheit oder die Wasserbilanz unserer Böden verstehen will, greift meist zuerst zum Regenmesser oder zum Thermometer. Doch der eigentliche Schlüsselwert für das Verständnis des Landschaftswasserhaushalts liegt woanders: bei der Verdunstung (Evaporation).

Erst wenn man dem gefallenen Niederschlag die tatsächliche Verdunstungsmenge gegenüberstellt, zeigt sich das wahre Ausmaß der Trockenheit.

Um diesen entscheidenden Faktor präzise zu erfassen, nutzen Meteorologen ein bewährtes, analoges Messverfahren: das Piche-Evaporimeter.

Der Sommer 2026 zeichnet sich in vielen Landesteilen durch seine Regenarmut aus - gleichzeitig sind auch die Verdunstungsraten enorm. 

 

Die Funktionsweise: Wie das Piche-Evaporimeter misst

Das Prinzip des Piche-Evaporimeters ist so einfach wie genial. Das Messgerät besteht aus einem graduierten Glasröhrchen, das von der Unterseite mit Wasser befüllt wird. Verschlossen und abgedichtet wird diese Füllöffnung mit einem runden Filterpapier, woraufhin das Röhrchen kopfüber aufgehängt wird.

Piche-Evaporimeter

Über diese poröse Papiermembran nimmt die Umgebungsluft kontinuierlich das Wasser auf – es verdunstet, und der Wasserspiegel im Glasrohr sinkt messbar ab.

Eine komplette Wasserfüllung des Rohrs entspricht umgerechnet einer Verdunstungsmenge von 30 Litern pro Quadratmeter.

Anhand der sinkenden Wassersäule lässt sich die tägliche Verdunstungsmenge exakt ablesen.

Der unschätzbare Vorteil dieser Außenmessung: Anders als die Temperatur allein erfasst das Piche-Evaporimeter die kombinierte Wirkung von Wärme, Luftfeuchtigkeit und Wind auf die Verdunstung. Zur groben Einordnung: An einem Tag mit gemäßigten Temperaturen um die 20 Grad verdunsten pro Quadratmeter im Schnitt etwa 6 bis 7 Liter Wasser.

 

Drei Kernaussagen aus unseren aktuellen Messdaten

Unsere fortlaufende Datenreihe liefert derzeit alarmierende und zugleich hochinteressante Erkenntnisse über die jüngste Klimaentwicklung:

Das aktuelle Jahr 2026 so das bislang zweitverdunstungsreichste Jahr unserer sechsteiligen Messreihe. Bis zum 19. Juli wurden bereits 403 l/m² verdunstet. Damit liegt 2026 auf Rang 2 direkt hinter dem extremen Rekordjahr 2025 (428 l/m² zum selben Zeitpunkt), aber meilenweit vor den Jahren 2021 bis 2024, die im gleichen Zeitraum lediglich Werte zwischen 274 und 373 l/m² erreichten.

Unsere Daten zeigen zudem einen deutlichen Sprung in der Statistik. Während bis zum Jahr 2023 alle gemessenen Jahre stabil im Bereich von 274 bis 373 l/m² lagen, sprang der Wert seit 2024 abrupt auf über 400 l/m². Dies ist ein starker Indikator dafür, dass die Witterung in den letzten zwei Jahren nicht einfach nur wärmer geworden ist, sondern zunehmend trockener, windiger und strahlungsreicher ausfällt.

Bleibt die Witterung im weiteren Verlauf anhaltend warm, wird 2026 aufs Gesamtjahr hochgerechnet bei etwa 691 l/m² landen. Damit würden wir zwar knapp unter dem Allzeit-Rekord von 2025 (722 l/m²) bleiben, den langjährigen Vorjahresschnitt von rund 490 l/m² jedoch dramatisch übertreffen.

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