Vom Orkan 1845 bis zum Regensonntag 2026

Mit 26 Litern Regen pro Quadratmeter erlebte Pützchens Markt am Sonntag einen der nassesten Kirmestage seit Jahrzehnten. Doch der Blick in die Geschichte zeigt: Es gab noch weit extremere Unwetter – bis hin zur völligen Verwüstung des Festgeländes.

Der Kirmessonntag auf "Pützchens Markt" vorgestern geht als einer der nassesten Tage in die langjähriger Geschichte der Großkirmes ein.

Die offiziellen Messdaten unserer Wetterstation in Bonn-Beuel-Pützchen belegen, dass in den vergangenen 76 Jahren nur an zwei Tagen noch mehr Niederschlag gefallen ist.

Mit 26 Litern pro Quadratmeter sichert sich der 13.09.2026 den dritten Platz im historischen Regen-Ranking seit 1950. Der ergiebige Regen setzte dem Festgelände zeitweise zu und führte unter anderem auch für kurze Stromausfälle.

Als langjähriger meteorologischer Berater der Stadt Bonn unterstützt donnerwetter.de die Verantwortlichen vor Ort seit Jahren intensiv bei der Einwertung solcher Wetterlagen, um auf Extremereignisse wie Starkregen oder Gewitter frühzeitig reagieren zu können.

 

Als Pützchens Markt noch nasser war

Noch deutlich feuchtere Verhältnisse gab es seit dem Zweiten Weltkrieg lediglich am 10. September 1972 mit 33 Litern pro Quadratmeter sowie während der denkwürdigen Kirmes von 1998.

Vor 28 Jahren fielen an der Messstation am Flughafen Köln/Bonn über die fünf Kirmestage hinweg insgesamt 68,9 Millimeter Niederschlag. Nach einem komplett trockenen Auftakt am Freitag (0,0 mm) setzte am Samstag ein starker Dauerregen mit 23,6 mm ein, gefolgt von kleineren Schauern am Sonntag (5,4 mm).

Der absolute Spitzenreiter der Nachkriegsgeschichte blieb jedoch der Kirmesmontag, der 14. September 1998: Mit unwetterartigen 33,6 mm Niederschlag verwandelte er das Festgelände in eine historische Schlammschlacht, ehe der Regen am Dienstagabend zum Feuerwerk mit 6,3 mm allmählich nachließ.

 

Das Sturmtief von 1845: Als Orkan und Wolkenbruch die Kirmes verwüsteten

Doch so herausfordernd die Regenmassen der jüngeren Vergangenheit für die moderne Infrastruktur auch sind – der Blick in die Chroniken zeigt, dass der Markt in früheren Zeiten von noch dramatischeren Unwetterkatastrophen heimgesucht wurde.

Besonders das Sturmtief im September 1845 hinterließ dabei tiefe Spuren in der Historie. Damals entwickelte sich Pützchens Markt gerade von einem religiösen Klostermarkt zu einem kommerziellen Handels- und Vergnügungsort. Befestigte Wege, Kanalisationen oder Sturmsicherungen existierten auf den lehmigen Wiesen des Dorfes noch nicht. Die Buden der Händler bestanden lediglich aus einfachen Holzpfählen und Leinenbahnen.

Als am Nachmittag des besagten Kirmeswochenendes 1845 ein schweres Gewittertief über das Rheintal zog, verdunkelte sich der Himmel schlagartig. Orkanartige Böen trafen ungebremst auf das freie Feld und trafen den Markt mit voller Wucht, wolkenbruchartiger Starkregen verwandelte den Untergrund blitzschnell in tiefen Schlamm.

 

Die leichten Holzkonstruktionen der Tuch-, Gewürz- und Lebkuchenhändler wurden aus den Verankerungen gerissen, angehoben und zertrümmert. Da die Waren auf offenen Holztischen präsentiert wurden, wehte der Wind Textilien und Töpferwaren fort oder spülte sie in die Sturzbäche auf den Wiesen.

Da es damals noch keine Versicherungen gab, bedeutete dieser Tag für viele Händler den sofortigen finanziellen Ruin. Unter den Tausenden Besuchern brach Panik aus; viele suchten Schutz in der kleinen Dorfkirche sowie in den wenigen Fachwerkhäusern der Anwohner. Umherstürzende Trümmerteile forderten laut Berichten der damaligen Bürgermeisterei Vilich zahlreiche Verletzte.

Das Unwetter von 1845 markierte schließlich auch einen entscheidenden Wendepunkt in der Organisation des Volksfestes. Die preußische Verwaltung verschärfte in den Folgejahren die Sicherheitsauflagen für Standbauer drastisch.

Zudem begann man in den Jahrzehnten danach schrittweise, die Hauptwege des Marktes mit Schotter zu verstärken – eine Maßnahme, die das Fundament für die Belastbarkeit der heutigen Kirmesinfrastruktur legte.

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