Verdunstung 2026 auf Rekordkurs

aktuell, 24.07.2026

Wer das Ausmaß der aktuellen Trockenheit verstehen will, darf nicht nur auf den Regen schauen. Langzeitmessungen der potenziellen Verdunstung zeigen, dass das Jahr 2026 auf absolute Rekordwerte zusteuert.

Um ein realistisches Gefühl für die reale Wasserbilanz sowie die Dürrebelastung von Böden und Pflanzen zu bekommen, reicht der Blick auf die reinen Niederschlagssummen bei Weitem nicht aus.

Der Regen stellt schließlich nur die eine Seite der Medaille dar – seine direkte Gegenspielerin ist die Verdunstung.

Piche-Verdunstungsröhrchen

Aus diesem Grund erfassen wir an verschiedenen Messstandorten seit vielen Jahren mit standardisierten Verfahren die Verdunstungsraten, um fundierte Vergleiche zwischen den einzelnen Jahren anstellen zu können.

Ein zentrales und bewährtes Instrument zur Bestimmung dieser Werte ist die sogenannte Piche-Verdunstung.

Das Messprinzip ist denkbar simpel, aber hochpräzise: Ein mit Wasser gefülltes Glasrohr wird am unteren Ende mit speziellem Löschpapier verschlossen. Das Papier saugt sich mit Flüssigkeit voll und gibt die Feuchtigkeit kontinuierlich an die Umgebungsluft ab.

Über eine Präzisionsskala am Röhrchen lässt sich anschließend direkt ablesen, wie viel Wasser verdunstet ist – angegeben in Millimetern beziehungsweise Litern pro Quadratmeter.

An unserer Messstation in Bonn-Bechlinghoven zeigt sich bei immer gleichem Aufbau und Standort eine besorgniserregende Entwicklung: Nachdem bereits das Jahr 2025 außergewöhnlich hohe Verdunstungswerte gebracht hat, befindet sich das Jahr 2026 auf absolutem Rekordkurs.

Jährliche Verdunstung 2021 bis 2025, 2026 bis Ende Juli mit Prognose

 

Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits rund 400 Liter Wasser pro Quadratmeter einfach „weg“.

Schaut man auf die bevorstehenden warmen Spätsommermonate August und September, könnte sich diese Summe bis zum Herbst auf bis zu 700 Litern pro Quadratmeter oder sogar darüber aufaddieren.

Wichtig zum Verständnis ist dabei die Abgrenzung: Bei diesen Messungen geht es um die sogenannte potenzielle Verdunstung. Sie beschreibt nicht die tatsächlich verdunstete Wassermenge aus dem ausgetrockneten Boden, sondern gibt an, wie viel Wasser die Atmosphäre aufnehmen könnte, wenn uneingeschränkt Feuchtigkeit zur Verfügung stünde. Sie ist damit der direkte Gradmesser für den akuten Durst der Luft.

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